Ist Patriotismus Fluch oder Segen?

Alternative Energien, Forschungen

Moderatoren: thomas, Lady, traude52, Kalle, Margitta, Globale Moderatoren

Antworten
Benutzeravatar
Wurzelmann
Beiträge: 5
Registriert: 13.06.2013, 09:25

Ist Patriotismus Fluch oder Segen?

Beitrag: # 41548Beitrag Wurzelmann
24.07.2013, 21:50

Wir Deutschen haben bekanntlich ein sehr schwieriges Verhältnis zu Patriotismus gegenüber unserem eigenen Land. Ich hab Freunde aus anderen Ländern, die können das gar nicht verstehen. Ich habe sogar einen Inder als Freund, der, als wir uns kennenlernten, meinte, ich könnten doch Stolz sein auf unser Land, wir wären kurz nach einer vernichtenden Niederlage wieder aufgestanden und wären wieder eine Macht gewesen (er meinte natürlich die Niederlage im 1. Weltkrieg und die Militarisierung zum 2. Weltkrieg).
Seit den letzten großen Fußball-Wettbewerben scheint wieder eine Welle von Patriotismus durch unser Land zu gehen, erstmal zaghaft und immer in Verbindung mit Fußball, bloß nicht allgemein gehalten.
Mir ist immer noch ganz mulmig zu mute, wenn ich die Leute zu solchen Sportgroßereignissen sehe.

Wie seht ihr das? Haltet das für eine gute Entwicklung? Ist Deutschland reif für eine 'erwachsene' Form von Stolz auf's eigene Land? Oder macht es euch Angst und weckt schlimme Bilder in euch, wenn ihr Menschen massenhaft mit Deutschlandfahnen und -trikots durch die Straßen ziehen oder im Fernsehen seht?

Weltgeist
Beiträge: 5
Registriert: 18.05.2013, 16:35

Beitrag: # 41549Beitrag Weltgeist
24.07.2013, 22:58

Da gehts mir wie dir. Für mich ist dieses 'Zur-WM-Flaggen-raus-und 'Schland'-grölen' einerseits auf den Senkel. Und andererseits frage ich mich dann immer, was daraus in Zukunft werden soll. Erwachsen scheinen mir die Leute so gar nicht zu sein, die da halb- bis volltrunken durch die Innenstädte geistern und sich beim Public Viewing abschießen. Ne ne, Patriotismus muss nicht sein. Wer nichts eigenes zum Stolz drauf sein hat, der ist auf sein Land stolz. Oder den Fußballverein... :roll

Benutzeravatar
Lady
Beiträge: 2665
Registriert: 21.03.2007, 23:08
Wohnort: Schweiz
Kontaktdaten:

Beitrag: # 41558Beitrag Lady
26.07.2013, 00:31

es ist wohl eher eine Haltung im Sinne kultureller Identifikation, was den heutigen Patriotismus noch ausmacht..... auch im Sinne von einer gewissen Bestätigung das der Mensch da "richtig ist" (angenommen in seinem Umfeld). So zumindest meine Beobachtung.

Erst wenn der Mensch sich, egal wo er wohnt, geborgen fühlt (angenommen fühlt) wird die Bewegung Patriotismus verschwinden dürfen und Platz machen für eine Haltung - ein Mensch dieser Erde zu sein, dem das Wohlergehen des Anderen genauso wichtig ist, wie das Eigene. Freude hat stets jeden Hunger gestillt im Gegensatz zum Stolz.
Be(geist)erung ist Energie, welche Gedankenformen erfahrbar werden lässt © Mai 2017
Friedenswege - Gedankenkraft

Benutzeravatar
Darnella
Beiträge: 772
Registriert: 08.07.2009, 11:21

Beitrag: # 41559Beitrag Darnella
26.07.2013, 05:37

Hallo Ihr Lieben,

mir ist dabei aufgefallen, dass die Auswirkung von Patriotismus immer nur dann mächtig zum Vorschein kommt, wenn es um die Abgrenzung mit einem anderen Land/Kultur/Bereich/Kreis geht. Fussball ist dafür ein hervorragend gutes Beispiel.

Der historische Machiavelli hatte das Patriotismus-Phänomen einst erkannt und hat darauf hingewirkt, dass die italienischen Stadt-Staaten Patriotismus entwickeln. Beispielsweise durch eine Verfassung, durch ein WIR-Gefühl, der sich aber nach außen hin abgrenzt. Er hat weiters festgestellt, dass wenn Patriotismus existiert, die Menschen sehr viel eher bereit sind, für das WIR zusammen zu halten, und ggfs. in Kriegen für "ihr Land" zu kämpfen. Ganz besonders natürlich in Krisenzeiten, was ja seinerzeit auch gewünscht war, da es noch eine ganze Menge Kriege zwischen den einzelnen Fürsten gab.

Was beim Fußball heutzutage geschieht, ist im Prinzip das gleiche: Patriotismus fördert das WIR-Gefühl für die Unterstützung der eigenen Landesmannschaft. Da jedes Land und seine Unterstützer sein jeweiliges WIR-Gefühl entwickelt, und sich das von der gegnerischen Mannschaft abgrenzt, nur deswegen haben wir auch den Patriotismus bei sportlichen Wettkämpfen. Witzig ist das in der Presse meist dann, wenn ein Spieler mit südländischer Abstammung womöglich ein Tor für Deutschland schießt und frenetisch als Held gefeiert werden soll. Da biegen sich dann die Zeitungsartikel, weil sie das dann nicht ganz so einfach als "Nationalheld" einsortieren können.

Aber wie auch immer: die Form des Sports ist für mich ein Patriotismus-Platzhalter, in der eine bestimmte Mannschaft gegen eine bestimmte andere Mannschaft kämpft, und jeder Anhänger dabei seinen Favoriten unterstützt. Zumindest eignen sich Wettbewerbe im Sport als Platzhalter für Patriotismus sehr viel besser als jede Form von echter Gewalt, oder gar Kriegen. Insofern freue ich mich, dass Menschen diese Form des Patriotismus in einigermaßen friedlicher Form genießen dürfen. Während ganz andere Menschen daran gar nichts finden, weil der Blick womöglich auf die ganze Welt gerichtet ist. Und da sind wir sowieso alle EINS.


Liebe Grüße
Darnella

Was zu mir gehört, kann ich nicht verlieren
und was nicht zu mir gehört, kann ich auch nicht halten.


Antworten